Heute gibt es wieder Neues aus dem AK Industrie & Handwerk đŸ”§âš’đŸ§±

Johann Christoph Wellers Herkunft kann nicht exakt nachgewiesen werden – er wurde vermutlich im Jahre 1647 in Joachimsthal geboren. Er entstammt einer wohlhabenden Handelsherrenfamilie.
Wie kam Weller ins Fichtelgebirge?
Markgraf Christian Ernst versuchte 1672 Investoren anzuwerben, um den durch den 30-jÀhrigen Krieg stark darniederliegenden Bergbau in Franken wiederzubeleben.
Weller erfuhr, dass in Arzberg ein Hammerwerk verkauft werden sollte. Arzberg zÀhlte zu dieser Zeit schon zu den ergiebigsten Eisenerzbergbaugebieten im gesamten Fichtelgebirge.
Der erfahrene Arzberger Hammermeister Benedikt Beutner verkaufte seine ganzen Hammerwerks- und Bergwerksanlagen in 1675 an Johann Christoph Weller, zu denen auch der Hohe Ofen, Pochwerke, der „Untere“ Hammer (heute Hammerweg 2) sowie die Obere RohrschmiedsmĂŒhle (heute Kammerer MĂŒhle) gehörten. Auch betrieb Beutner einen Ziegel- und Kalkofen.
Am wichtigsten waren Weller vor allem die mit Hammerwerksbesitz verbundenen Privilegien und Freiheiten, die ihm erlaubten im Arzberger Revier nach Erzen zu suchen.
Weller erntete also da, wo Beutner gesĂ€t hatte! und kĂŒmmerte sich wenig um seine Arzberger BesitztĂŒmer.
Ein Hochwasser der Röslau in 1680 zerstörte den Unteren Hammer. Dies veranlasste Weller seine Anlagen und den Hochofen in das spĂ€tere „Wellertal“ zu verlegen. In der Glanzzeit Werksanlagen lebten im Wellertal bis zu 300 Menschen.
Weller hatte inzwischen ein betrĂ€chtliche Barvermögen erworben und er besaß ĂŒber 30 Bergwerke, mehrere Hochöfen und Hammerwerke.
Auch an anderen Orten erwarb Weller Hammerwerke, wie z.B. in Weißenheid und Weidenberg – beim heutigen Karches baute er den Weißmain Hochofen (1709).
Er erlangte großes Ansehen, verkehrte stĂ€ndig am markgrĂ€flichen Hof und wurde sogar geadelt als „Johann Christoph Weller, Edler von Molsdorf zu Wellertal“. Er fĂŒhrte den Status eines kaiserlichen Raths und wurde in den Reichsritterstand erhoben.
Weller ließ aber seine Arzberger Anlagen verkommen und er bezahlte schon seit vielen Jahren keine Steuern mehr.
1696 klagte die Stadt Arzberg wegen der Steuerschulden und auch einige Arzberger BĂŒrger, deren GrundstĂŒcke durch Wellers BergbautĂ€tigkeiten fĂŒr die Landwirtschaft unbrauchbar geworden waren
aber alle Klagen dagegen blieben ohne Erfolg.
Im Gegenteil, seine weitreichenden Privilegien fĂŒr das Wellertal wurden durch den Markgrafensogar noch erweitert.
In 1709 ließ Weller gusseiserne Ofentöpfe und Schmiedeeisen ohne Genehmigung der Landesregierung und ohne die entsprechenden Abgaben/Zölle zu zahlen nach Sachsen bringen. Die Waren wurden beschlagnahmt. Dieser „Schmuggel“ flog auf und es kam zu einer Gerichtsverhandlung, in der Weller die RĂŒckgabe seines Eigentums forderte, zu der er aber trotz Aufforderung angeblich aus KrankheitsgrĂŒnden selbst nicht erschien.
Markgraf Christian Ernst, von dem Weller alle seine VergĂŒnstigungen erhalten hatte, war im Jahre 1712 verstorben. Sohn Sohn, Markgraf Georg Wilhelm, war Weller weniger wohlgesonnen, denn als dieser seine Regierung antrat, fielen weiter etliche UnregelmĂ€ĂŸigkeiten in Wellers GeschĂ€ftsverhalten auf.
Weller fiel in Ungnade und verließ mehr oder weniger fluchtartig das Land. Er ĂŒbergab 1715 die Leitung im Wellertal seinem Sohn und ging selbst nach OttengrĂŒn bei Neualbenreuth, wo er schon lĂ€nger ein Rittergut besaß.
In OttengrĂŒn verfasste Weller 1719 sein sehr umfangreiches und detailliertes Testament ĂŒber sein großes Vermögen, welches im Egerer Stadtarchiv aufbewahrt wird.
Er stiftete auch fĂŒr wohltĂ€tige Zwecke, fĂŒr Kirchenbauten, fĂŒr WaisenhĂ€user und seine eigenen Dienern.
Ein in 1721 zugefĂŒgter Zusatz zum Testament ist eine Generalabrechnung mit seinen drei Kindern.
Er war verbittert, dass sein Lebenswerk durch die UnfÀhigkeit seiner Nachfolger zerfiel und zu Grunde ging.
Weller starb am 20. Dezember 1721 und wurde in der Egerer Niklaskirche beigesetzt.
Vielen Dank an unseren AK Industrie und Handwerk und ganz besonders an GĂŒnter Ide! 💚